Das Schützenjahr 2002

Februar

Mit der Jahreshauptversammlung am 22. Februar, deren Verlauf dem separaten Protokoll zu entnehmen ist, begann wie gewohnt das neue Schützenjahr. Für die unsere Bruderschaft versprach es jedoch ein besonderes Jahr zu werden, denn bereits seit langer Zeit liefen die Vorbereitungen auf das 75-jährige Bestehen und dem damit verbundenen Höhepunkt, dem Bezirksbundesfest in Neu-Pattern, auf vollen Touren.

März

Zwei Wochen nach der Jahreshauptversammlung ging es bereits darum, einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Jubiläumsschützenfest zu legen. Am Sonntag, dem 3. März stand die Ermittlung der neuen Majestäten auf dem Programm. Zunächst versammelte man sich in der Pfarrkirche St. Johannes zu Niedermerz, wo man sich bei einem gemeinsamen Gottesdienst auf den bevor­stehenden Tag einstimmte. Gemeinsam mit dem Spielmannszug "Blau-Weiß" Pattern zog man nach der Messfeier nach Neu-Pattern. Im "Haus Pattern" angekommen, konnte der 2. Brudermeister Theo Frings im Laufe des Tages neben den amtierenden Majestäten Freddy, Edelgard und Marcel Höppener auch den Bundesschülerprinzen Sascha Kück, den Schirmherrn des Jubiläumsschützenfestes, Herrn Präses Pfarrer Maqua, sowie einige ehemalige Schirmherren und Vertreter befreundeter Bruderschaften unter den zahlreichen Besuchern begrüßen.

Zunächst ging es um die Würde des Schülerprinzen. Hier lieferte sich der Nach­wuchs der Bruderschaft einen spannenden Wettkampf, den Tobias Joussen mit dem 104. Schuss für sich entscheiden konnte und somit als neuer Schülerprinz feststand.

So spannend wie selten zuvor präsentierte sich anschließend auch der Königsvogel­schuss. Unschwer war zu erkennen, dass viele Schützenbrüder fest entschlossen waren, die Königswürde im Jubiläumsjahr erringen zu wollen. Doch alle Anspannung und alles Zittern hatte mit dem 79. Schuss ein Ende, als der Vogel nach einem wohl platzierten Treffer von Willi Tolsma von der Stange sank. Unter tosendem Jubel konnten er und seine Gattin Otti eine wahre Flut von Glückwünschen und Gratulationen entgegennehmen. Nach 1970 würden die beiden nun auch im Jahr des 75-jährigen Bestehens die Patterner Bruderschaft regieren und repräsentieren.

Nach diesem nervenaufreibenden Vormittag stand am Nachmittag die Proklamation der neuen Würdenträger an. Hierzu nahm das Offizierscorps vor den zahlreichen Besuchern im "Haus Pattern" Aufstellung. Der 2. Brudermeister Theo Frings dankte in bewegenden Worten dem scheidenden Schülerprinzen Marcel Höppener sowie seinen Eltern, dem Königspaar Freddy und Edelgard Höppener, die in den vergangenen zwölf Monaten die Bruderschaft auf souveräne und sehr liebenswerte Weise nach außen hin repräsentiert hatten. Das Königs- und Prinzensilber übergab er daraufhin an die neuen Majestäten Tobias Joussen sowie Willi und Otti Tolsma. Ihnen wünschte Theo Frings für die bevorstehende Regentschaftszeit alles erdenklich Gute, Gottes Segen und ein unvergesslich schönes Jubiläumsjahr 2002.

Nachdem Schießmeister Hans Rennett im Anschluss an diese kleine Feierstunde die Ehrung der Vereinsmeister vorgenommen hatte, konnte man diesen so erfolgreichen Tag natürlich nicht einfach so beenden. Zunächst im "Haus Pattern", später im königlichen Wohnzimmer, erfreute man sich noch so manche Stunde am kameradschaftlichen Miteinander und schmiedete Pläne zum nun in greifbare Nähe gerückten Bezirksbundesfest in Neu-Pattern.

Am Freitag, dem 8. März traf man sich in der Niedermerzer Gaststätte "Zur Linde", wo man seitens der Bruderschaft wieder eine Mannschaft beim dortigen Dorpokal­-Kegeln ins Rennen schickte.

Wenn die riesige Aldenhovener Pfarr- und Wallfahrtskirche nicht allen Besuchern einen Platz bieten kann, so deutet dies auf ein außergewöhnliches Ereignis hin. So war es dann auch am Sonntag, dem 10. März, als im Beisein zahlloser Gläubiger, kirchlicher und weltlicher Prominenz sowie von Abordnungen vieler Schützenbruder­schaffen des Bezirksverbandes Jülich unser Präses, Herr Pfarrer Wilhelm Maqua, sein 50-jähriges Priesterjubiläum feierte. Zum Ende des feierlichen Hochamtes, in dem die große Beliebtheit unseres Präses einmal mehr deutlich wurde, überreichte Bezirksbundesmeister Wilhelm Lieven gemeinsam mit unserem Brudermeister Freddy Höppener und dem Dürboslarer Brudermeister Dr. Peter Kramp den St. Sebastianus-Ehrenschild an den verdienstvollen Pfarrer Maqua, der auch bereits über viele Jahre hinweg das Amt des Bezirkspräses des Bezirksverbandes Jülich bekleidet. Nach dem Gottesdienst rundete ein Empfang im Niedermerzer "Haus des Dorfes" den Festtag für einen großartigen Freund unserer Bruderschaft ab.

Zahlreiche Vertreter aus den Mitgliedsbruderschaften des Bezirksverbandes fanden sich am Freitag, dem 22. März, zur Abendmesse in der Pfarrkirche Niedermerz ein. Nach der heiligen Messe, zelebriert durch Pfarrer Maqua, versammelte man sich im "Haus Pattern" zur Frühjahrsdeligiertentagung des Bezirksverbandes Jülich. Im Rahmen der Tagesordnung informierte Brudermeister Freddy Höppener die dort Anwesenden ausführlich über den geplanten Ablauf des Bezirksbundesfestes.

April

Wie in jedem Jahr begleiteten die Offiziere unserer Bruderschaft auch am Weißen Sonntag, dem 7. April, die Erstkommunikanten der Pfarre Niedermerz bei ihrem ersten Gang an den Tisch des Herrn.

Einen Ausgang über die Grenzen unseres normalen Einzugsgebietes hinaus absolvierte unser Offizierscorps am Sonntag, dem 21. April, inmitten der letzten Vorbereitungen zum großen Fest. Begleitet von vielen Schützenfrauen reiste man am frühen Morgen mit dem Bus nach Plaidt, dem Heimatort des amtierenden Bundeskönigs Udo Erikson, um dort den Bundesschülerprinzen Sascha Kück beim Bundeskönigsfest zu begleiten. Nach einem feierlichen Hochamt in der stattlichen Plaidter Kirche nahm man am Festumzug durch den Ort teil. Dabei wurde uns die Gewissheit zuteil, dass wir uns in Bezug auf Organisation und korrekter Durchführung eines Vorbeimarsches durchaus sehen lassen können. Beim anschließenden feucht-fröhlichen Beisammensein im dortigen Festzeit mussten wir allerdings auf die Gesellschaft unseres Generals Franz Mürkens verzichten, der sich seinem Rang entsprechend während des ganzen Tages im Kreise des Bundesvorstandes und der Bundesmajestäten bewegte.

Nach dieser letzten Generalprobe zum eigenen Fest lief unaufhaltsam der Countdown zum Bezirksbundesfest 2002 in Neu-Pattern. Neben einem zusehends nervöser werdenden Vorstand war dies auch an einer lobenswerten Beteiligung fast aller Schützenbrüder bei den Vorbereitungsarbeiten erkennbar. Ob beim Schmücken der Ortschaft und der Residenzen, beim Herrichten des Festzeltes und des Aufstell­platzes oder bei den vielen Kleinigkeiten am Rande: jeder packte nach seinen Mög­lichkeiten und Fähigkeiten mit an. So wurde man auch in den Nachmittagsstunden des Freitags relativ stressfrei fertig und das große und lang erwartete Jubelfest konnte beginnen.

Im Gegensatz zu den Vorjahren eröffnete keine Jugend-Disco, sondern ein dem Anlass entsprechender Festkommers die Jubiläumsfeierlichkeiten. Ein ansprechend gestaltetes Bühnenbild hieß den Besucher an allen vier Tagen willkommen und entsprechende Bühnen- und Zeltdekoration sorgte dafür, dass sich die Gäste zu jeder Zeit wohl fühlen durften.

Schon recht früh zeigte sich, dass man sich wegen mangelnder Resonanz an diesem Abend keine Sorgen machen musste, denn bereits ab 19 Uhr strömten die Besucher unaufhaltsam in das Zelt. So konnte der 1. Brudermeister Freddy Höppener pünktlich um 19:30 Uhr den Kommers vor einer großen Kulisse eröffnen. Zu dieser zählten neben der Patterner Bevölkerung und der eigenen Schützenfamilie eine große Anzahl von Vertretern befreundeter Bruderschaften und Ortsvereine, ehemalige Schirmherren, Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie öffentlicher Institutionen. Für einen guten musikalischen Rahmen sorgten der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler, das Trommlercorps Dürboslar sowie der Männergesangsverein Altdorf und sie ließen zu keiner Zeit das Gefühl eines langatmigen Abends aufkommen. Neben Brudermeister Freddy Höppener, der wortgewandt durch das Programm führte, gehörten auch Bezirksbundesmeister Wilhelm Lieven, der das Fest offiziell eröffnete, sowie natürlich der Schirmherr und Präses, Pfarrer Wilhelm Maqua, zu den Festrednern. Natürlich ließen auch Bürgermeister Emil Frank, Ortsvorsteher Herbert Jansen und selbst Bundesschülerprinz Sascha Kück es sich nicht nehmen, bei dieser feierlichen Angelegenheit einige kurze, der Bruderschaft aber wohltuende Worte, an die Anwesenden zu richten.

Einen der Höhepunkte des Abends stellte sicher die Standartenübergabe an unsere Schützenbruderschaft dar. Nach dem Einmarsch der Bezirksgeneräle sowie der Abordnungen der Bruderschaften aus Kirchberg und Pattern übernahm Bezirksbundesmeister Wilhelm Lieven aus der Hand des Kirchberger Brudermeisters Werner Lambertin die Bezirksstandarte und übergab diese an den Patterner Brudermeister Freddy Höppener mit der Bitte, sie für die Dauer eines Jahres stellvertretend für den Bezirksverband Jülich würdevoll zu tragen.

Wie es sich für einen Kommersabend gehört, durften natürlich auch die Ehrungen verdienter Mitglieder nicht fehlen. Dem Beförderungsausschuss war es gelungen, die Ehrungen geheim zu halten, was natürlich überraschte und zugleich bewegte Minen mit sich brachte. So wurden Freddy Höppener und Theo Frings aus der Hand des Bezirksbundesmeisters Wilhelm Lieven mit dem Hohen Bruderschaftsorden des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften bedacht. Aus der Hand des Brudermeisters Freddy Höppener empfingen die Schützenbrüder Karl-Heinz Buchwald, Hans Rennett, Karl-Heinz Theilig und Willi Topp das Silberne Verdienst­kreuz des Bundes und durch Bezirksschießmeister Hans Rennett wurde Walter Fiedler mit dem Ehrenkreuz des Sports in Bronze ausgezeichnet.

Eine nicht enden wollende Flut von Glückwünschen durch Vertreter der Ortsvereine und Gastbruderschaften, Politiker und Banken stellte den Gratulationscour dar. Das strahlende Gesicht unseres Kassierers Franz Mürkens und seine zusehends fülliger werdende Brusttasche ließen dabei die zeitliche Verzögerung zur unwichtigen Nebensache werden.

Eine kleine Enttäuschung hatte man leider zum Ende des Festkommers zu verarbeiten. Mit großem finanziellen und zeitlichen Aufwand war in den Monaten zuvor geplant worden, nach dem Kommers einen Umzug mit Straßenfeuerwerk durchzuführen, vor dem "Haus Pattern" den großen Zapfenstreich aufzuführen und diesen mit einem fulminanten Höhenfeuerwerk abzuschließen. Viele Schaulustige hatten eigens wegen dieser Aufführung noch zu später Stunde den Weg nach Neu-­Pattern gefunden. Leider hatte sich jedoch während des Festkommers ein heftiger Sturm mit peitschendem Regen entwickelt, der es nicht zuließ, das Zelt für eine solche Aufführung zu verlassen.

Deshalb wurde kurzerhand umdisponiert. Ehrengäste, Majestäten und Musikkapelle nahmen auf der Bühne Aufstellung, Trommlercorps und Patterner Bruderschaft postierten sich davor und alle anderen Bruderschaften und Fahnen an den Seiten des Zeltes. Dem stellvertetenden kommandierenden Hauptmann Jürgen Berg war gemäß Vorstandsbeschluss die große Ehre zuteil geworden, diese wohl einzigartige Aufführung kommandieren zu dürfen. Nach seiner Meldung an den Bezirksgeneral­feldmarschall Helmut Emmerich und einer Serenade aus dem Marsch "Larida" sahen und hörten die Anwesenden einen korrekt und ordentlich dargebotenen "Großen Zapfenstreich", wofür allen Mitwirkenden Lob und Anerkennung gebührt. Nach der Nationalhymne und der Abschlussmeldung endete der offizielle Teil des Festkommers, der trotz der wetterbedingten Umstellung als ein kurzweiliger und gelungener Auftakt des Bezirksbundesfestes in Neu-Pattern bezeichnet werden darf.

Noch das ein oder andere Bierchen zum Abschluss wurde sich gegönnt, doch fand der Abend ein für Patterner Verhältnisse frühzeitiges Ende, denn der Samstagmorgen wartete mit umfangreichen Umbauarbeiten im Zelt. Nachdem auch diese verrichtet waren und unzählige Papier-Röschen die Residenzen schmückten, konnte man sich noch für einige Stunden wohlgefällig zurücklehnen und dem über Jahre eingeübten Festverlauf etwas entspannter entgegensehen. Scheinbar hatte auch die Schlechtwetterfront des Vorabends Gefallen am festlich geschmückten Neu-Pattern gefunden, denn auch sie kehrte am Samstagnachmittag zu uns zurück. So versammelte man sich mit Schirmen und Tüten als Schutz für die Federbüsche am Haus des Schützenbruders Königstein in Niedermerz. Nach einigen Minuten des Wartens verzogen sich jedoch plötzlich die Wolken, sodass man wie geplant zum Umzug aufbrechen konnte. Zunächst führte uns dieser zum Haus unseres Schirmherrn und Präses, Herrn Pfarrer Maqua. Hier wurde man bereits mit kühlen Getränken erwartet und angesichts eines äußerst edlen Tropfens hätte sich mancher Schützenbruder gerne zu einem längeren Aufenthalt überreden lassen. Doch auch unseren Majestäten wollten wir natürlich unsere Aufwartung machen. So zog man weiter von Niedermerz nach Neu-Pattern, wo man ebenfalls die Gastfreundlichkeit des Bundesschülerprinzen Sascha Kück, des Schülerprinzen Tobias Joussen und des Königspaares Willi und Otti Tolsma erfahren durfte. Mit Schirmherr und Majestäten in seinen Reihen zog der schon sehenswerte Zug Richtung Festzeit. Wahrscheinlich war es der Respekt vor dem Tambourstab des Dürboslarer Korpsführers Anton Charl, der es dem Umzug überhaupt noch ermöglichte, in das Festzeit einziehen zu können. Bis auf dem allerletzten Stehplatz gefüllt zeigte sich das Zelt zum anstehenden großen Schützenball. Nach der Begrüßung durch Brudermeister Freddy Höppener sorgte die Tanzkapelle "Hocus Pocus" für die notwendige Stimmung. Diese wurde noch gesteigert, als die aus dem Kölner Karneval bekannte Gruppe "De Räuber" mit ihren beliebten und mitreißenden Liedern das Zelt buchstäblich zum Beben brachte. Nach diversen Zugaben dauerte es gar nicht lange, bis mit Solo-Trompeter Bruce Kapusta ein weiterer Stargast seinen Auftritt hatte, dessen Repertoire von fetzig bis melancholisch reichte. So war es nicht verwunderlich, dass viele der Gäste die hervorragende Atmosphäre bis in die frühen Morgenstunden auskosteten.

Für die Schützenbrüder begann der Tag jedoch bereits im Morgengrauen, galt es doch, den Aufstellplatz für den großen Festzug herzurichten und notwendige Absperrungen vorzunehmen. Alles war jedoch gerichtet, als die Glocken der Pfarrkirche St. Johannes zu Niedermerz zum Kirchgang riefen. In einem feierlichen Gottesdienst, musikalisch untermalt durch den Niedermerzer Kirchenchor, fand Präses Pfarrer Maqua in Anlehnung an das Evangelium des fünften Sonntages der Osterzeit treffende Worte für die Schützenbrüder. Zum Ende der Messfeier wurden die Insignien der Majestäten gesegnet und durch Brudermeister Höppener an ihre Träger übergeben.

Bei leichtem, aber durchaus erträglichem Nieselregen, formierte man sich zum Umzug von Niedermerz nach Neu-Pattern, wo man am Ehrenmal Aufstellung nahm. Nachdem man den nachdenklich stimmenden Worten von Brudermeister Höppener Gehör geschenkt hatte, wurde ein Kranz im Gedenken an die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege niedergelegt und das "Lied vom guten Kameraden" intoniert. Daraufhin begab sich der Umzug in das Festzeit, wo man bei einem lockeren Frühschoppen das bisher Erlebte Revue passieren lassen konnte. Im Verlauf dieses Frühschoppens wurden die Schülerschützen der Bruderschaft durch Schießmeister Hans Rennett mit Leistungsabzeichen für ihre Erfolge im Schießsport ausgezeichnet. Auch der Spielmannszug "Blau-Weiß" Pattern nutzte diesen Rahmen, um noch einige Ehrungen vorzunehmen. Hohen Besuch konnte man während des Frühschoppens ebenfalls begrüßen, als das Bundeskönigspaar Udo und Maria Erikson aus Plaidt mit einigen Offizieren eintraf und sie während des gesamten Sonntags unsere Gäste blieben.

Nur eine ganz kurze Verschnaufpause verblieb den Schützen, bis es wieder hieß: Antreten zum Empfang der auswärtigen Vereine. Insgeheim hatte sich jedoch bereits jeder mit der Situation eines ins Wasser fallenden Festzuges vertraut gemacht, denn im Laufe des Vormittages hatte es wieder heftig zu regnen begonnen. Doch was niemand für möglich gehalten hatte, traf ein. Wie auf Bestellung lockerte um 13:30 Uhr die Wolkendecke auf. Sollte alle Mühe doch nicht umsonst gewesen sein? Nachdem die Bundesmajestäten und die eigenen Würdenträger in das Festzeit eingespielt worden waren, begrüßte Brudermeister Höppener die in Scharen eintreffenden Gastvereine und Ehrengäste. Parallel dazu formierte sich auf der Grünfläche der Firma Aldi der große Festzug. Nach einem sehenswerten Einmarsch der Fahnenabordnungen und Majestäten richtete Bezirksbundesmeister Wilhelm Lieven ein Grußwort an Schützen und Zaungäste. Nun war es endlich soweit: ein imposanter Festzug nahm seinen Weg durch Neu-Pattern und wurde phasenweise sogar von strahlendem Sonnenschein begleitet. Achtzehn Bruderschaften des Bezirksverbandes Jülich sowie die befreundeten Bruderschaften aus Inden/Altdorf und Schophoven, zwölf Spielmannszüge und sieben Blaskapellen marschierten vorbei an den zahlreichen Besuchern aus nah und fern. Unumstrittener Höhepunkt dieses seines gleichen suchenden Festzuges war jedoch der Vorbeimarsch auf der Niedermerzer Straße. Zunächst musikalisch begleitet von der Spitzengruppe Trommlerkorps Dürboslar und Musikzug Eschweiler, später abgelöst vom Trommlercorps Altdorf und dem Bläserchor Schafhausen, marschierten die Teilnehmer teils im Stechschritt an Majestäten und Ehrengästen vorbei. Wieder auf der Aldi-Wiese angekommen, richtete Schirmherr und Bezirkspräses Pfarrer Maqua noch einige Worte des Dankes an alle Teilnehmer. Eine Portion Stolz gab er der Patterner Bruderschaft mit auf den Weg, indem er in Bezug auf die glückliche Wetterentwicklung erklärte: Jeder bekommt das, was er verdient! Nach der Nationalhymne, dem offiziellen Ende des Festzuges, traf man sich noch zu einem kurzen Beisammensein im Festzeit, wo die Frauen der Schießmannschaft erstmals eine Cafeteria vorbereitet hatten, deren Angebot sogleich reißenden Absatz fand.

Nachdem das Festzeit abermals umgestaltet worden war, trafen bereits die ersten geladenen Gäste des Königspaares im Hause Tolsma ein. Die gegen 19:30 Uhr angetretenen Spielmannszüge ließen sich natürlich auch noch gerne zu einem kurzen Umtrunk einladen, bevor das viel bestaunte Gefolge, angeführt vom Königs­paar Willi und Otti, hinaus vor die zahlreichen Schaulustigen schritt.

Nach dem Einzug in das Festzeit war auch hier wieder festzustellen, dass man keinen Königsball vor leeren Rängen würde abhalten müssen, denn das große Gefolge, der Besuch mehrerer Gastbruderschaften und auch die Resonanz aus der Bevölkerung sorgten für eine gut besuchte Abendveranstaltung. Nach der Begrüßungsansprache des Brudermeisters, der Verabschiedung der Gäste aus Plaidt und einer herzlichen Dankesrede des Königs Willi Tolsma eröffnete das Königspaar mit einem Walzer seinen großen Abend. Aufgelockert durch diverse Einlagen und Gratulationen zahlreicher Freunde aus dem Privat- und Vereinsleben vergingen die Stunden wie im Fluge, wobei zwei Auftritte hier besonders erwähnt werden sollten. Einen äußerst gelungenen Einfall hatten die Damen der Schießmannschaft, die den Lebenslauf von Willi und Otti Tolsma spielerisch und musikalisch nachvollzogen. Zum anderen hatte man das aus dem Aachener Karneval bekannte Humoristentrio "Josef, Jupp und Jüppchen" verpflichtet, das erst nach mehreren Zugaben vom Publikum entlassen wurde. Eine besondere Überraschung hatte Nachwuchstrommler Fabian Tolsma parat, der eigens zum großen Fest seinen Großeltern ein Trommelsolo darbrachte.

Im Handumdrehen hatte man bereits Mitternacht erreicht, als die Offiziere der Matthäus-Schützen zum großen Königswalzer einzogen. Zunächst mit ihrem König Willi, später noch mit einigen Offizieren drehte eine sichtlich genießende Königin Otti ihre Runden im Walzertakt. Doch auch nach diesem Höhepunkt des Abends war noch niemand des Feierns müde. Nachdem man noch einige Zeit in netter Atmosphäre verbracht hatte, bewies die Patterner Schützenfamilie natürlich Anstand und begleitete ihr Königspaar nach Hause, wo man im zwischenzeitlich kampfer­probten Wohnzimmer noch einige schöne Stunden verbrachte.

Viel zu schnell war die Zeit vergangen und der letzte Tag des Schützenfestes stand bevor. Am Morgen versammelte man sich wie gewohnt zum Dankgottesdienst in der Matthäus-Kapelle zu Neu-Pattern. Nach dieser heiligen Messe kam man schließlich zu einem ganz besonderen und lang erwarteten Moment. In wochenlanger Eigenleistung hatten die Offiziere der Bruderschaft am Rande des Merzbachs in unmittelbarer Nähe der Kleingartenanlage eine Mariengrotte erbaut, für die der Eschweiler Bildhauer Armando Ciacomelli in Handarbeit eine Marienstatue geschaffen hatte. Mit dem Spielmannszug "Blau-Weiß" Pattern zog man von der Matthäus-Kapelle zur Grotte, wo Pfarrer Maqua die Gedenkstätte im Beisein vieler Patterner und auswärtiger Gäste einsegnete. Eine Urkunde, eine Tageszeitung, mehrere Münzen und eine Unterschriftenrolle, auf der sich alle Anwesenden dieser Feier verewigten, wurden eingemauert und Brudermeister Höppener sowie Ortsvorsteher Jansen sprachen einige Worte zum Sinn dieses Ortes. Einerseits soll er ein Dankeschön für den gelungenen Neubeginn der Bruderschaft sein; andererseits eine Erinnerung an den Ort darstellen, wo unsere Bruderschaft ihre Wurzeln hat. Eine ähnliche Mariengrotte befand sich seinerzeit am Rande des "Patterner Wäldchens". Alle waren sich einig, hier einen Ort der Besinnung und der stillen Anbetung geschaffen zu haben, an der Neu-Patterner Bürger wie auch vorbeiziehende Wanderer Zeit zum stillen Verweilen finden können.

Nach diesem feierlichen und bewegenden Moment zog man zurück in das Festzeit, wo man sich endlich frei von Protokoll und offiziellen Auftritten bewegen konnte. Einmal noch trat das Offizierscorps an, denn wie gewohnt standen auch an diesem Montag einige Beförderungen auf dem Programm. So wurde der erste Kommandant Willi Topp endlich in den ihm zustehenden Rang des Hauptmannes befördert, während Franz-Bert Beyß und Erich Schmidt ihre ersten Sterne als Leutnant erhielten. Nicht nur diese Beförderungen boten den Schützenbrüdern an diesem Tag Anlass, freudig das Glas zu erheben. Auch die durch das "Duo Slapstick" musikalisch erzeugte gute Laune trug ihren Teil dazu bei.

Nachdem die Gewinner des Geldvogelschuss bekannt gegeben worden waren, kam man natürlich auch zur Kür des alljährlichen Maikönigspaares. Nachdem man sich von den Vorjahresmajestäten Manfred und Brunhilde Suchowski verabschiedet hatte, stieg die Spannung um deren Nachfolger. Erstmals hatte sich der wieder spontan an einem stillen Ort ins Leben gerufene Ausschuss dazu entschieden, keine Neubürger, sondern ein Alt-Patterner Maikönigspaar aus seinem Inaktivenkreis zu küren. Die Wahl fiel auf Peter und Marita Keller. Natürlich war dies ein willkommener Grund, noch ein Stündchen dran zu hängen, und den Frühschoppen wie gewohnt bis in die frühen Abendstunden auszudehnen.

Am folgenden Dienstagmorgen wurden in gewohnter Routine die Spuren der vergangenen Tage im Ort beseitigt und bereits am Nachmittag waren es nur noch eine Fülle schöner Erinnerungen, die uns von einem rauschenden Fest blieben. Natürlich hatten auch Peter und Marita Keller es sich nicht nehmen lassen, die Schützenfamilie in ihre Kellerbar einzuladen, und trotz der anstrengenden Vortage wurde hieran reichlich Anteil genommen.

Damit endete unwiderruflich ein großartiges Fest zum 75-jährigen Bestehen einer Bruderschaft, die sich durch viel Fleiß, Engagement und ldeenreichtum, gepaart mit Traditionsbewusstsein und Menschlichkeit, zu einem Aushängeschild für das Schützenwesen entwickelt hat. Allen, die daran mitgewirkt haben, sei an dieser Stelle von Herzen gedankt.

Nach einem so schönen Jubelfest sollte das weitere Jahr und somit auch die weiteren Ausgänge unter dem Zeichen des Jubiläums stehen. Zu allen Ausgängen konnte das Offizierscorps nunmehr die Bezirksstandarte mitführen. Dies ist für unsere Bruderschaft das erste Mal, dass das Offizierscorps sich mit der Standarte schmücken kann. Umso erfreulicher muss es doch für die auserkorenen Offiziere sein, die Ehre zu haben, diese Standarte zu tragen. Wegen der Einmaligkeit sollen hier die Auserkorenen einmal aufgeführt werden: Karl Heinz Buchwald, Herbert Jansen, Walter Fiedler, Karl Heinz Theilig, Hans Rennett.

Die Ausgänge im Laufe des Jahres...

Wie nunmehr seit vielen Jahren üblich, führten uns die Ausgänge der Bruderschaft auch im Jahr 2002 nach Schleiden, Lohn, Aldenhoven, Dürboslar und seit einigen Jahren auch nach Freialdenhoven. Man begleitete unser Königspaar Otti und Willi Tolsma in großer Anzahl zu den einzelnen Festen. Überall fiel natürlich nicht nur die mitgeführte Bezirksstandarte auf, sondern vielmehr stach die Standarte des Bundesschülerprinzen heraus. Es war in dieser Zeit etwas ganz Besonderes, die Patterner Schützen zu Besuch zu haben.

Dem Bezirksbundesmeister zu Ehren fuhr man ausnahmsweise zu einem außerplanmäßigen Besuch zu den Schützen aus Spiel. Gerade weil er es so gut mit uns gemeint hatte und bei allen Veranstaltungen unseres Jubelfestes zugegen war, bedankten wir uns bei ihm mit einem Besuch unserer Offiziere zum Festzug in Spiel. Die Freude war uns offensichtlich gelungen, denn ein bewegter Berzirksbundesmeister Lieven bedankte sich bei uns recht überschwänglich.

September

Unser Bundesschülerprinz Sascha Kück lud die ganze Mannschaft am 1. September zu einer internen Abschlussfeier ein, denn er sollte Ende des Monats als Bundesschülerprinz abgelöst werden. In einer sehr angenehmen Atmosphäre würdigte unsere Bruderschaft die Einmaligkeit von Sascha Kück, denn er war nicht nur unser erster Bundesschülerprinz, er wird wahrscheinlich auch einzig bleiben. Diese Würde war auch für unsere Bruderschaft ein noch nie da gewesenes Ereignis, mit dem wir umzugehen auch erst einmal lernen mussten. Aber wir haben uns auch ganz besonders gefreut. An diesem Sonntagmorgen saßen wir noch lange zusammen und freuten uns mit Sascha, unserem Bundesschülerprinzen.

Schon wenige Wochen später wurde Sascha dann auch in Delbrück bei Paderborn durch einen neuen Bundesschülerprinzen abgelöst. Für unsere Bruderschaft hieß es, ihn nach Delbrück zu begleiten. Wir verbanden die Fahrt nach Delbrück mit einem Ausflug für die ganze Schützenfamilie. Schon früh am Morgen des 21. September trafen wir uns vor dem "Haus Pattern", wo wir alle frohgelaunt den Bus erwarteten, der uns nun tagsüber begleiten sollte. Entsetzen machte sich breit, als wir einen besseren Schulbus ankommen sahen, der ohne Proviant und ohne Toilette absolut nicht unseren Erwartungen entsprach. Dies sollte aber, Gott sei Dank, der einzige negative Punkt an diesem Tag gewesen sein. Der Ausflug führte uns nach Soest, wo wir gegen 10 Uhr ein opulentes Frühstück zu uns nahmen, um dann gestärkt mit dem Planwagen die Soester Börde zu erkunden. Diese Planwagenfahrt war geprägt von Kameradschaft und wirklicher Freude. Wir sangen alte Lieder und unterhielten uns prächtig miteinander. Die Idylle wurde lediglich das ein oder andere Mal abrupt unterbrochen, als nämlich der Formel-1-Zirkus zustieg und Klaus Ullrich mit seinem Schummi-Rennen uns gekonnt durch die Kurven trieb. Nur gut, dass wir ausnahmslos alle wussten, wo rechts und links sind, denn so wurde niemand aus der Kurve getragen. Die besagte Kurve kratzen wir dann gegen Nachmittag, nachdem wir uns die Altstadt von Soest noch angesehen hatten, und fuhren nach Delbrück. Hier angekommen, wurde sich umgezogen und die Uniform machte uns dann auch äußerlich zu Schützenbrüdern. Was wir dann sahen, konnten wir fast gar nicht glauben. Ein Festzelt mit einem riesigen Ausmaß beherbergte viele Tausend Schützen und wir erlebten ein einmaliges Fest, bei dem dann unser Bundesschülerprinz offiziell verabschiedet wurde. Natürlich wurde Sascha von uns auch gebührend verabschiedet. Viel zu schnell verging der Abend und wir mussten uns weit nach Mitternacht auf den mehrstündigen Heimweg machen, bei dem die Männer, sehr zum Leidwesen der Frauen, die ein oder andere Pause machen mussten.

Oktober

Mit diesem Ausflug hatten die Schützen aber noch nicht genug. Es waren die Schießsportfrauen, die ihre Männer zu einem Ausflug einluden. Ende Oktober führte dieser Ausflug die Schießsport treibende Frauenmannschaft samt Anhang an die Ahr. Auch hier erlebte man einen wunderschönen Tag, der uns zunächst nach Maischoss zu einer Weinkellerbesichtigung führte und am Nachmittag mit einer geführten Weinbergwanderung weiterging. Den Abend verbrachten wir in Altenahr.

November

Am 3. November wurde unsere Schießsportabteilung noch einmal aktiv. Für alle standen die Vereinsmeisterschaften auf dem Programm. In einer sehr schönen und familiären Atmosphäre wurden auf dem neuen Schießstand die Vereinsmeister des Jahres 2002 ermittelt. Man kann von spannenden und sehr anregenden Wettbewerben berichten. Alle Altersklassen waren vertreten und so konnte die Schießsportabteilung auch auf eine durchaus gelungene Veranstaltung zurückblicken.

Im November, gleich nach dem Wochenende als unsere Bruderschaft den Martins-Umzug für die Kinder der Ortschaft organisiert und durchgeführt hatte, hieß es dann anpacken und arbeiten. Endlich nahm man sich den schon länger ins Auge gefassten Umbau des "Haus Pattern" vor. Einige helfende Hände packten mit an und in wenigen Wochen war das "Haus Pattern" renoviert und umgebaut. Man hatte als erstes die Trennwand zwischen Versammlungs- und Thekenraum herausgerissen und anschließend eine Holzdecke und neue Beleuchtungskörper eingebaut. Auch baute man eine neue Lüftungsanlage ein. Zurückblickend konnten wir alle feststellen, dass uns mit dem Umbau etwas Sehenswertes gelungen war. Da man seitens der Gemeinde keinerlei finanzielle Unterstützung erhalten hatte, wurde der Umbau komplett aus eigenen Mitteln finanziert und man hoffte, dass sich die Investitionen in den kommenden Jahren auch amortisieren würden.

So nahm ein in jeder Hinsicht ereignisreiches Jahr, das in vielerlei Hinsicht in die Geschichte unserer Bruderschaft eingehen wird, sein Ende.